Ursprung des Schilling-Geschlechts

Um den Ursprung des Schilling-Geschlechts ranken sich Sagen.

Erik Sjölding

Nach einer Chronik von Bernhard Schilling von Lindeck-Forst, die dieser um 1320 als Züricher Augustinermönch Bonifazius geschrieben haben soll, bezeichnen sich die Schillings auch als Angehörige des Erikgeschlechts.

Laut Bonifazius war Erik Skjölding (genannt 894) nach einem Überwürfnis mit seinem Vater, dem norwegischen König Harald Schönhaar, nach "Langer Überfahrt" nach Rheinfelden in der Nähe des Bodensees gekommen.

Neuen Forschungen zufolge hatte Harald zwar einen Sohn namens Erik (Erik Blutaxt), dieser kommt allerdings als Vorfahr der Schillings nicht in Frage, da er im heutigen England gestorben ist.

Erik, König der Haithabu

Wahrscheinlicher ist, dass die Familie von einem anderen Erik abstammt: einem König des Wikinger Königreichs Haithabu (bei Schleswig im heutigen Schleswig-Holstein).

Die Herrscher in Haithabu nannten sich tatsächlich Erikgeschlecht und waren mit den norwegischen Herrschern, den Skjöldings (Schildleute), verwandt.

Dieser Erik war der letzte König in Haithabu. Er musste 891 die Herrschaft aufgeben und flüchten. Von seinem weiteren Lebensweg ist nichts bekannt.

Da verwandtschaftliche Beziehungen zum fränkischen Herrschaftshaus bestanden, kann er sich tatsächlich nach Süddeutschland und Rheinfelden durchgeschlagen haben. Laut Bonifazius hat Erik von Herzog Burcart ein lehnloses Gut erhalten.

Heinrich III Schilling von Lahnstein und Nachfahren

Eriks Nachkommen blieben angeblich als Grafen, Herzöge und sogar einmal als König (Gegenkönig Rudolf II.) in Rheinfelden mit Besitzungen in Lindeck, Lindeck-Forst und Sparnek.Burg Lahneck

Ein Nachkomme soll schließlich als kurmainzischer Burgmann nach Lahneck gekommen sein. Heinrich III Schilling von Lahnstein, genannt Huneswin (gestorben 1221) wird als Stammvater des Geschlechts genannt.

Heinrich III hatte fünf Kinder (Johann, Hildegardis, Kuonrat, Heinrich und Cunigunde).

Sein ältester Sohn Johann hatte drei Nachkommen.

Der Erstgeborene Heinrich gilt als Stammvater des Westlichen Stammes (bürgerliche Schillings).

Sein zweiter Sohn Friedrich begründete den Östlichen Stamm (Barone Schilling).

Heinrichs III zweiter Sohn Kuonrat ist u.a. Stammvater der Rheinlandstämme (auch ein Nachkomme von Friedrich blieb im Rheinland). Doch alle Rheinlandstämme starben Anfang des 16. Jahrhunderts aus.

Der dritte Sohn Heinrichs III, auch Heinrich, begründete vermutlich den Südlichen Stamm der Freiherrn Schilling v. Canstatt.

Verschwörung

Laut Bonifazius wurden die Schillings Opfer eines politischen Ränkespiels in Deutschland.

König Rudolf von Habsburg war 1291 gestorben. Doch die Kurfürsten wollten nicht seinen designierten Sohn Albrecht zum Nachfolger wählen, sondern kürten aus politischen Gründen den machtlosen Grafen Adolf von Nassau. Die Habsburger akzeptieren das nicht. So kam es 1292 zur Schlacht bei Göllheim am Mittelrhein, bei der Adolf fiel.

Die Schillings zu Lahnstein, die zwischenzeitlich Burgmannen der Nassauer waren, wollten den Machtwechsel nicht hinnehmen und schworen Blutrache, auch nachdem die Kurfürsten den neuen König anerkannt hatten. Die Familie auf Lahneck schloss sich der Verschwörung um Albrechts Neffen Johann (Parricida) an, der den König am 1. Mai 1308 bei Brugg an der Reuß zu Füßen der Habsburger Stammburg im Kanton Aargau erschlug. An der Ermordung soll auch Bernhard Schilling (etwa 1270-1308), ein Sohn von Heinrich (Westlicher Stamm) beteiligt gewesen sein, der dabei sein Leben verlor.

Auch Bernhards Onkel Friedrich (siehe Östlicher Stamm) war demnach in die Verschwörung verstrickt. Er verteidigte Lahneck gegen die Vollstrecker der Reichsexekution der Kurfürsten von Köln und Trier, wurde 1310 bei der Erstürmung der Burg gefangen und alsbald in Köln hingerichtet.

Über Bernhards Sohn Friedrich wurde die Reichsacht verhängt. Er floh und ließ sich schließlich in Prag und Breslau nieder (siehe Westlicher Stamm).